In knapp 750 Ausgaben hat es viele solcher schönen TV-Momente gegeben. Carlos Perón, Sohn der Sängerin und argentinischen First Lady Eva Perón, drückte 1992 auf die Fragen der Rater abwechselnd auf zwei Tasten eines Mini-Synthesizers: ein quäkiges «Ja» oder «Nein» war zu hören - statt dem gesprochenen Wort. 2016 war das Rateteam beim Beate-Uhse-Enkel Philipp Rotermund bis zum Thema Versandhaus vorgedrungen, biss sich danach aber fast die Zähne aus. Der Lotse half mit dem Satz: «Denkt doch mal in eine Richtung Versand, bei dem ihr vielleicht nichts bestellt.» Sofort erschallte «Beate Uhse». So geht es oft bei «Ich trage einen großen Namen» zu: gepflegt im Stil, zuweilen auch etwas betulich. Westdeutsches Qualitätsfernsehen mit bildungsbürgerlichem Anspruch.

Und doch: Mehr als 45 Jahre hat die Kultsendung im SWR durchgehalten - im schnelllebigen Medium Fernsehen eine Ewigkeit. Wie gelang das?

«Dass Verwandte von großen Persönlichkeiten ihre ganz persönlichen Geschichten und privaten Erlebnisse mit ihren Vätern, Müttern oder anderen Familienmitgliedern erzählten, weckte Neugier», erklärt eine SWR-Sprecherin. Darüber hinaus konnten Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren, was die «Großen Namen» so besonders machte - «und das auf anspruchsvolle und unterhaltsame Weise». Ob es eine Nachfolge-Sendung geben werde, dazu sei es noch zu früh, etwas Konkretes zu sagen. Der SWR hatte angekündigt, den Kern zu erhalten und weiterzuentwickeln.

In über 40 Jahren gab es insgesamt nur vier Moderatoren. Die längste Zeit war es Wieland Backes: von 1998 bis 2019. Worin sieht Backes das Erfolgsgeheimnis? «Langlebig sind TV-Sendungen mit unverwechselbarem Charakter», sagt der 76-Jährige. «Es hat wohl einen besonderen Reiz, dass da ein geheimnisumwitterter Nachfahre eines berühmten Vorfahrens sitzt, den es zu erraten gilt.» Vermutlich habe auch eine entspannte Studiomannschaft bei vielen Zuschauern «lebhafte Anziehungskräfte» ausgelöst, meint er. «Eine Rolle spielte auch der Humor, der uns davor schützte, zur trockenen Bildungsveranstaltung zu degenerieren.»

Mehr als 400 Nachfahren berühmter Menschen hat Backes durch die Show begleitet. «Schon in der ersten Sendung saß mir Fidel Castros Tochter gegenüber. Sie lebte nach der Revolution viele Jahre doch lieber im befeindeten Amerika als im armen Kuba.» Kurz darauf war Sowjetführer Nikita Chruschtschow zu erraten. «Als mir sein Sohn am Morgen der Aufzeichnung im Hotelfahrstuhl begegnet, erschrecke ich fast zu Tode», erinnert sich Backes. «Schon meinte ich, den Kremlherrscher höchstselbst vor mir zu haben - so frappierend war die Ähnlichkeit.»

Auf das Ende der Serie schaut Backes mit einer Mischung aus Verständnis und Skepsis. «Unsere engagierten Macher und Hierarchen wollen unseren Sender, das verstehe ich, zukunftsfähig machen. Sie haben ein junges Publikum im Visier, das sie glauben, mit ganz anderen Formaten und Sendestrategien an uns binden zu können.» Wenn aber «eines der erfolgreichsten Formate des SWR-Fernsehens» eingestellt werde, könne passieren, dass man Ältere verliert, ohne Jüngere zu gewinnen. «Es gibt viele Gründe, Qualität mit so einer jahrzehntelangen Erfolgsbilanz nicht ohne Not zu opfern.»

 Wolfgang Jung und Christof Bock, dpa

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