Metaverse im Fokus

Zu Zuckerbergs langfristigen Initiativen gehört die Ausrichtung des Konzerns auf das "Metaverse" - eine virtuelle Welt, in die sich nach seinen Vorstellungen das geschäftliche und soziale Leben verstärkt verlagern wird. Facebook ist ein Vorreiter der Bewegung mit seinen Aktivitäten bei virtueller Realität (VR), bei der Nutzer mit Spezialbrillen in digitale Welten eintauchen. Die Sparte Reality Labs, in der die "Metaverse"-Entwicklung und das VR-Geschäft gebündelt sind, verbuchte allein im vergangenen Quartal einen operativen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar. Meta hatte vor wenigen Tagen eine Preiserhöhung bei seinen VR-Brillen angekündigt.
Aus Washington kam am Mittwoch auch ein klares Signal, dass die US-Wettbewerbshüter Metas "Metaverse"-Aktivitäten im Blick haben. Die Handelsbehörde FTC zog vor Gericht, um dem Konzern die Übernahme der Firma Within Unlimited zu verbieten, die eine VR-Fitness-App entwickelt. Meta wolle das gesamte "Metaverse" beherrschen, heißt es in der Klage unter anderem.
Im heutigen Kerngeschäft bekommt Meta die Konkurrenz der chinesischen App Tiktok zu spüren, die mit ihrem endlosen Fluss an kurzen Videos vor allem junge Nutzer anlockt. Die Clips werden von einem Software-Algorithmus vorgeschlagen, der sich an die Interessen der Nutzer anpasst. Metas Kurzvideo-Kopie mit dem Namen "Reels" wird inzwischen in großem Stil bei Facebook und Instagram eingebettet.
Für die Plattform bedeutet das eine grundlegende Abkehr von ihren Wurzeln: Die ursprüngliche Idee ist schließlich, dass man sich als Nutzer mit Freunden, Familie und Bekannten sowie Organisationen oder Unternehmen vernetzt und dann ihre Beiträge sieht. Doch nun kämen 15 Prozent der Inhalte in den Facebook-Feeds der Nutzer - und noch etwas mehr bei Instagram - von jemandem, dem sie nicht folgen, sagte Zuckerberg. Bis Ende 2023 solle sich der Anteil verdoppeln.

Reels kein Umsatzbringer

Damit ist auch klar, dass die Kritik von Instagram-Nutzern inklusive Prominenter wie Kim Kardashian, der Foto-Dienst werde zu einem zweiten Tiktok, folgenlos bleiben dürfte. Dabei ist der Vormarsch der "Reels" zunächst nicht einmal gut für das Geschäft. Denn Meta verdient an Anzeigen im Umfeld der Clips schlechter als mit Werbung im Feed oder den täglich wechselnden sogenannten Stories der Nutzer. Die Folge: Je mehr sich die Kurzvideos ausbreiten, desto mehr verdrängen sie für Meta lukrativere Formate, räumte Zuckerberg ein.
Man werde dennoch auf sie setzen, weil sie die Aktivität der Nutzer auf der Plattform verstärkten und mit der Zeit auch ähnlich viel Geld wie andere Formate einbringen würden, betonte er. Meta gibt jedoch zu, dass dies Jahre dauern könnte. Aktuell ist "Reels"-Werbung erst auf Kurs, eine Milliarde Dollar jährlich einzubringen.
Meta gab am Mittwoch auch einen Umbau der Führungsriege bekannt. Der bisherige Finanzchef Wehner soll im November die neu geschaffene Position des Strategiechefs übernehmen. Neue Finanzchefin wird demnach Susan Li. In der Chefetage hatte sich eine Lücke aufgetan, weil Sandberg ihren Rückzug angekündigt hat. Sie galt als rechte Hand Zuckerbergs und eine Architektin von Facebooks Geschäftsmodell.

(Andrej Sokolow, dpa/st)


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